Katholische Kirche und Software

Eine Situationsanalyse von Andreas Keller, März 2019

In unserer Gesellschaft gibt es mittlerweile überall Bemühungen, die Digitalisierung für erhöhte Produktivität zu nutzen - bis hin zu abgelegenen landwirtschaftlichen Betrieben. Überall? Ein Blick in den Alltag von Pfarrämtern offenbart digitales Mittelalter. Woran liegt es?
Der Pfarrer als Seelsorger
Die meisten Pfarrer sehen sich vor allem als Seelsorger. Wichtig ist Ihnen deswegen das persönliche Gespräch mit den ihnen anvertrauten Menschen, die Feier der Gottesdienste und der Ritualien sowie die Unterweisung der Gläubigen in der Sakramentenkatechese. Für all diese Tätigkeiten brauchen sie keine digitalen Anwendungen. Der PC wird meist nur benutzt, um mit Emails zu kommunizieren oder um Ablaufpläne für Ritualien und Gottesdienste oder die Predigt einzutippen.
Verwaltungstätigkeiten würden die meisten Pfarrer am Liebsten ganz abgeben. Digitale Hilfsmittel zur Erleichterung der Verwaltung interessieren sie deswegen kaum.
Die Pfarrsekretärinnen
In vielen Pfarrbüros arbeiten ältere Sekretärinnen, die damals als einfache "Schreibkräfte" eingestellt wurden und oft nur elementare Computerkenntnisse besitzen.
Die Ausstattung
Verantwortlich für die Ausstattung der Pfarrbüros sind in erster Linie die Pfarrer. Sie besitzen kaum Kenntnisse darüber, dass der Einsatz entsprechender digitaler Technologien die Produktivität der Büroarbeit und Teamkommunikation erheblich steigern kann. Deswegen werden sind Software und Computer in den Pfarrbüros nur selten auf aktuellem Stand.
Die Bischöflichen Ordinariate
Die meisten EDV-Verantwortlichen der Ordinariate sehen ihre Hauptaufgabe in den IT-Systemen der Ordinariate selbst. Die Abläufe in einem Pfarramt sind ihnen nicht bekannt. Sie sind deswegen nicht in der Lage, Software zu empfehlen, welche die Arbeit in einem Pfarramt oder Seelsorgeteam erleichtern könnte. Manche haben außerdem keine Kenntnis unixoider Betriebssysteme und können deswegen auf Bistumsebene keine kostengünstige und sichere Open Source Software für die Pfarreien installieren.
Ein weiterer Grund für die verpasste Chance der Digitalisierung der Pfarrämter liegt in der schlechten Beratung der Entscheidungsträger durch kostengünstige Softwarefirmen. Symptomatisch: Die Entscheidung mehrerer Bistümer für eine Termin-/Teamplanungssoftware, die für lange Zeit weder ihre Kontakte noch ihre Termine mit den Kalenderapps oder der Kontaktverwaltung von Smartphones synchronisieren konnte.
Schulungen und Lehrmaterial
Für die eingekaufte Software werden oftmals keine ausreichenden Schulungen für Pfarrsekretärinnen und Seelsorgeteams angeboten. Die erworbenen digitalen Anwendungen können deswegen nicht ihr volles Potential entfalten.